Das Weinjahr in 4 Bildern_3_Läset

Im letzten Herbst, zur Zeit des Läset, wartete ich ungeduldig auf ein Telefon von Regina Hadorn. Sie würde mich informieren, wenn der Läset am von mir favorisierten Ort beginnen wird.

Meine Wahl war schon im voraus klar. Die Fassade des Engelhauses und der damit schon gegebene Standort der Malerei verlangte einen Blick in Richtung des Sees. Auf einem Spaziergang suchte ich mit dem Redwy Team nach dem geeigneten Standort. Ich konnte so vor Ort schon meine kompositorischen Überlegungen kommunizieren und meine Wahl damit verständlicher machen. Mir war klar: Es musste der Rebberg von Hubacher am Chapfweg sein! Hier war alles perfekt: Im Vordergrund etwas grün, in der Mitte die Weinstöcke und in der Ferne der See, die Insel und Himmel. Eine Rebmauer war auch da, gar eine Treppe, und auch die Sicht aufs Ufer gegen den Bahnhof hin.

Und dann endlich war der Entscheid gefallen. Am Morgen früh traf ich mich mit Regina, welche schon alles bestens kommuniziert hatte. Die ArbeiterInnen waren informiert und wir wurden mit Freude empfangen.

Das Wetter war an diesem Tag eher durchzogen: es war neblig, die Sonne hatte Mühe, sich durchzusetzen. Aber genau das macht einen Herbst aus. Was wäre langweiliger, als blauer Himmel und eitel Sonnenschein! Die Nebelfelder über dem See lieferten sich einen ewigen Disput mit der Sonne.

Es war nicht einfach, den richtigen Standort zu finden, um die Szenerie festzuhalten. Wie schnell gelesen wurde, hatte ich bis dahin nicht gewusst. Alles orchestriert von der tüchtigen jungen Chefin. Die Arbeiten gingen so schnell vonstatten, dass ich kaum folgen konnte. Ab und zu bat ich deshalb die Arbeiter, den Arbeitsgang nochmals zu simulieren, was sie geduldig und auch mit viel Freude gerne machten.

Schon gegen 10 Uhr war der Spuk vorbei. Die Bilder im Kasten. Die Hoffnung war gross, das richtige Bild gemacht zu haben.

Die Auswertung nahm dann doch viel Zeit in Anspruch, hatte ich doch mehr als sagenhafte 1000 Bilder geschossen.

Und ich wusste: mein Favorit würde nicht unbedingt derjenige des Teams sein! Ich legte Wert auf Komposition, das Team aber zusätzlich und vor allem auch auf den Bildinhalt. Da musste so viel drauf sein! Ein Träger, das Auto für den Transport, das Herbstlaub, die gelben Kisten und so weiter. Dies gab dann alles zu diskutieren. Im Atelier in Biel. Wir trafen uns selbstverständlich mit Maske. Denn Covid war weiterhin omnipräsent. Zu diesem Zeitpunkt war die Impfung noch in weiter Ferne.

Und wie erwartet, gefiel mein Favorit nicht allen gleich. So einigten wir uns nach langen Diskussionen darauf, dass ich das ausgewählte Bild kompositorisch noch etwas verändern würde. Dafür war ich doch dankbar.

Ein reger e-mailwechsel mit Werner K. Engel, dem Besitzer des Hauses und damit der Fassade, folgte. Die Diskussionen waren anstrengend, da meine künstlerischen Überlegungen mit denjenigen des Hausbesitzers nicht wirklich in allen Belangen übereinstimmten. Aber wir bewegten uns langsam aufeinander zu. Und zuletzt waren wir doch beide und auch das Team ganz zufrieden mit der neu mit Photoshop erarbeiteten Komposition.

Da das Bild nun ausgewählt war, konnten wir uns an einem kalten Abend im Dezember vor der Fassade treffen, um den genauen Platz des Bildes und dessen Grösse zu bestimmen. Dies machten wir mittels Projektion. Damit hatten wir auch gleich einen Eindruck, wie sich das Bild in die Fassade einfügen würde. Grösser, kleiner, höher oder doch etwas tiefer? Dann wurden wir uns einig und wir suchten mittels einer sehr langen Wasserwaage, welche liebenswürdigerweise von Gerhard Engel zur Verfügung gestellt wurde, Horizontale und Vertikale. Das Bild sollte ja im Lot sein!

Dann gingen wir nach einem kurzen Abstecher in den Alten Schweizer in die wohlverdiente Winterpause.

Das Baugesuch wurde wie immer verdankenswert von Annelise Zwez eingereicht. Immer auch mit entsprechenden Dossiers an Heimat- und Denkmalschutz.

Dass die Fassade des Aebischerhauses im 2020 komplett restauriert wurde und dass damit verbunden aber ein kleiner Schönheitsfehler zurück blieb, war für uns insofern ein Glücksfall, als dass ich mit dem beauftragten Maler betreffend Gerüst und auch Bilduntergrund perfekt zusammenarbeiten konnte.

Wir verblieben schlussendlich so, dass ich ab 1. Juli an der Fassade mein Bild umsetzen würde. Erst sollte an einem Abend die Projektion des ausgewählten Sujets gemacht werden, danach die Umsetzung folgen. Dass das Wetter dann nicht nur Kapriolen machte, sondern gar einen bedrohlichen Hochwasserhöchststand am Bielersee provozieren würde, war nicht nur für mich Pech. Die Projektion konnte mit Hilfe von Malina Blum, Annelise Zwez, Gerhard Engel, Werner K. Engel realisiert werden. Das Justieren des richtigen Projektors brauchte Zeit. Beginnen konnten wir erst in der Dämmerung eines warmen Sommerabends Mitte Juli. Als die Projektion endlich richtig justiert war, kam ich auf die Idee, Malina Blum (Enkelin AZW), welche Kunstturnerin ist, zu bitten, in einem weissen Anzug innerhalb der Projektion zu turnen, beziehungsweise zu performen. Das macht sie natürlich liebend gerne! Und gut!

Mit mir zusammen harrte dann bis morgens gegen 2 Uhr Annelise Zwez aus.

Ich war dankbar, dass sie da war. Das konzentrierte Zeichnen mit Rötel war doch recht anstrengend, da ich die Striche nicht gut im Licht der Projektion sah. Es war auch schwierig, den richtigen Strich zu finden, also nicht zu viele, aber auch nicht zu wenige Striche zu zeichnen. Gar nicht so einfach, vor allem ab Mitternacht, wenn die Augen langsam sandig werden. Das Resultat war aber sicher brauchbar, wie sich in den nächsten Arbeitswochen herausstellte.

Am übernächsten Tag wollte ich nach einem Tag Erholung gleich beginnen!

Das unbeständige Wetter erlaubte es in diesem Jahr nicht, zügig zu arbeiten und „dran“ zu bleiben. Oft war es nur an vielleicht zwei Wochentagen überhaupt möglich zu arbeiten, Dann waren der Regen, der Wind, die Kälte wieder da.

So verzögerte sich die Realisierung immer wieder. Schöne und wirklich warme Tage gab es im Juli selten. Auch der August war durchzogen. So stand das Gerüst unvorhergesehen lange an der Dorfgasse. Nicht unbedingt zur Freude des Winzers vom Frauenkopf, der gerne vor dem Haus seinen Kunden einen Halteplatz frei gehalten hätte.

Und natürlich hatte ich persönlich auch einige Termine, welche ich nicht immer wieder beliebig schieben konnte. Da aber kein Termindruck herrschte, war dies kein Problem für das Redwy Team. Für mich war es aber doch recht belastend, da ich täglich teilweise mehrmals meine Wetterapps konsultierte, um meine Planung etwas anzupassen. Da das schöne Wetter für mich bedeutete, den ganzen Tag auf dem Gerüst zu stehen und zu malen, fiel der Sommer für mich weitgehend aus. Das Geniessen der warmen Tage überliess ich diesmal den anderen.

Dafür hatte ich x schöne und interessante Begegnungen mit Tagestouristen, welche sehr interessiert meine Arbeit verfolgten und auch Fragen stellten, welche ich meist gerne beantwortete. Ab und zu war es für mich schwierig in den Mal-Flow zu kommen, da die Ablenkung durch Interessierte doch recht gross war. Ich habe diese Art von Begegnungen ja auch sehr gerne und erkläre dann oftmals etwas allzu ausschweifend die mir gestellten Fragen… Aber auch hier habe ich dazugelernt.

Schön war immer wieder, wenn ich vom Nachbarn vis à vis mit einem Kaffee, einem Glas Wasser und ein paar Leckereien verwöhnt wurde! Das gab ein Gefühl des Willkommenseins. Merci beaucoup de tout coeur!

Die Evolution des Wandgemäldes ist hier fragmentarisch dokumentiert.

Ein kleines Rätsel zum Abschluss

Auf der nächsten Seite sind 2 fast identische Malereien abgebildet. Sie unterscheiden sich in einem kleinen, sehr zeitgenössischen Detail. Finde den Unterschied!

Gefunden? Dann: Psssst, nicht weitersagen 😉

Der Bericht des Redwy Teams

REDWY-TEAM Twann-Tüscherz

Annelise Zwez Regina Hadorn Roman Mürset

Das „Rebjahr in vier Wandbildern“ im Dorfkern von Twann 2019-2022

Wandbild Nr. 3 Läset im Rebberg im Herbst

Nordfassade Aebischerhaus (Dorfgasse 54) (Werner K. Engel)

Rapport zur Realisierung von Wandbild Nr. 3 durch Daniela de Maddalena, Künstlerin, Biel/Bienne

Im Aebischerhaus an der Dorfgasse 54 keltert und lagert der Winzer Nick Bösiger den Twanner Frauenkopf-Wein. Die Liegenschaft gehört jedoch wie schon seit Generationen der Familie Engel, heute Werner K. Engel. Entsprechend ist er der Ansprechpartner des RedWy-Teams, mit ihm wurde 2018 die entsprechende Vereinbarung abgeschlossen. 

2020 beschliesst Werner K. Engel die Nordfassade seiner Liegenschaft zu erneuern, was für die Realisierung des Wandbildes ein Glücksfall ist. Denn bei dieser Gelegen-heit wurde der als Mosaik (Rita Engel) gestaltete Schriftzug «W.K.Engel/Weinbau» herausgespitzt, da er nach dem Verkauf des Betriebes nicht mehr den Gegeben-heiten entsprach. Garantiearbeiten seitens des Malers in diesem Bereich führten dazu, dass in Absprache mit Daniela de Maddalena 2021 der optimale Untergrund für das Wandbild III angebracht werden konnte. Es sei an dieser Stelle Werner K. Engel für die Bereitschaft zur Kooperation und Matthias Stalder (Firma RomanStalder GmbH, Malerei+Gipserei) für die Zurverfügungstellung des Gerüstes.

Diesen positiven Faktoren standen 2021 die Wetterkapriolen entgegen, sodass nicht wie geplant am 1. Juli mit der Realisierung begonnen werden konnte, sondern erst gegen Ende Monat und nicht in einem Zug, sondern in zahlreichen Etappen. Bis es dann am 27. August doch so weit war und die Künstlerin verkündete: FERTIG. Wenige Tage danach stiess das engste Grüppchen von Beteiligten ein erstes Mal  mit einem Glas Frauenkopf -Wein auf das Gelingen an. Die offizielle Einweihungs-feier verbunden mit der Übergabe der Bildrechte an die Gemeinde Twann wird im Oktober stattfinden.

Die Erfahrungen der Künstlerin sind in einem separaten Bericht festgehalten.

Leider musste  sich  Roman Mürset bereits im Frühjahr 2021 aus gesundheitlichen Gründen aus der Begleitung der Umsetzung von Wandbild III zurückziehen. Wir hoffen, dass er bei Wandbild IV wieder mit dabei ist.

Positives kann hingegen über den Bewilligungsprozess gesagt werden. Entgegen früherer Jahre war es für den Mitbericht von Heimatschutz und Denkmalpflege ausreichend, dass das RedWy-Team eine Fotomontage und für die Baukommission die exakten Dimensionen – analog einem Baugerüst –   markierte und so einreichte.

Am 1. April traf bereits die Baubewiligung ein. Wie bei der Zusage für die Unterstützung von 2018 schriftlich festgehalten, wurden nur die externen Kosten (insbesondere für die Mitberichte und für die zweimalige Ausschreibung im Nidauer Anzeiger) verrechnet. Total. 479 Franken.

Schwieriger war gegen Ende 2020 die Einigung zwischen den Mitglliedern des RedWy Teams inkl. Gerhard Engel und Werner K. Engel einerseits und der Künstlerin andererseits  auf die Basis-Fotografie für das Wandbild. Einig war man sich, dass es ein Querformat mit Blick auf den See und mit mehreren Personen sein sollte, nachdem Wandbild I und II Bergaufwärts-Blicke zeigen. Auch mit der Wahl des Standortes respektive des Ausblicks konnten sich alle anfreunden. Aber die Details!!! Da waren die Ansichten der auf Dokumentation ausgerichteten Winzer, der Wein- und Landschaftsfreunde, der Kunstfachfrau und der auf Komposition-Gesetzmässig-keiten ausgerichteten Künstlerin nicht auf Anhieb dieselben. Mit guten Argumenten hüben und drüben. Es brauchte einige Rochaden und Kompromisse bis sich alle einverstanden erklären konnten. Aber schliesslich gelang es, was die Hauptsache ist.

In den Jahresbericht gehört auch die Vorschau, denn die Fotos für das folgende Jahr müssen  während des aktuellen Jahres «in den Kasten», 2021 konkret die Arbeit im Keller im Winter und das Abfüllen des Weines im Laufe des Jahres. Es sei an dieser Stelle Ursi Angelrath und ihren Nachfolgern für das Fotoshooting im Februar und dem Winzerbetrieb Perrot für die Möglichkeit das Abfüllen des Pinot Noir im August zu fotografieren herzlich gedankt. 2022 wird (hoffentlich) zeigen, was aus den Bildern wird.

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